|
Schäl sick ist schick
Wo fanden in den letzten Jahren die größten städtebaulichen Veränderungen in Köln statt? Welche Rheinseite bietet den schönsten Blick auf den Dom und die Altstadt? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: die rechte Rheinseite, von den Kölner „Schäl Sick“ genannt.
In den vergangenen Jahren trugen die prestigeträchtigen Neubauten der Kölnarena, des Stadthauses und der Köln-Arkaden sowie der neuen Messehallen und des LVR-Turms zu einer nicht nur optischen Strukturveränderung der rechten Rheinseite bei. Weitere große und auch kleinere Neuerungen wie der geplante Umzug von RTL ins Rechtsrheinische oder die Wiedereröffnung des generalmodernisierten Höhenbergbades im Sommer diesen Jahres setzen den Trend der positiven Veränderungen fort.
Trotz des tief greifenden Strukturwandels der vergangenen Jahre ist das Image der „Schäl Sick“, die in den Augen vieler Kölner ein Synonym für die „falsche“ Rheinseite ist, eher negativ besetzt.
Um die Vorzüge des Rechtsrheinischen im Bewusstsein der Kölner mehr zu verankern, haben sich nun die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) und die KölnBäder GmbH, unterstützt von den Bezirken Kalk und Mülheim, zur Image-Kampagne „Schäl Sick ist schick“ zusammengeschlossen. Im Auftrag der RVK und KölnBäder GmbH wurden insgesamt 27.000 Aufkleber mit dem Slogan „Schäl Sick ist schick!“ produziert, die ab sofort über die beiden Bezirksämter erhältlich sind. Der plakativ gestaltete Slogan ist vor der Silhouette des Kölner Doms platziert und wird durch den Namen der folgenden rechtsrheinischen Stadtteile ergänzt: Brück, Buchforst, Buchheim, Dellbrück, Dünnwald, Flittard, Höhenberg, Höhenhaus, Holweide, Humboldt/Gremberg, Kalk, Merheim, Mülheim, Neubrück, Ostheim, Rath/Heumar, Stammheim, Vingst.
(Foto 2)
Foto v. links: Eugen Puderbach (Geschäftsführer RVK - Initiator), Norbert Becker (Leiter Bürgeramt Kalk), Norbert Feldhoff (Leiter Bürgeramt Mülheim), Winfried Johannes Dohm (Bezirksvorsteher Stadtbezirk Kalk), Nobert Fuchs (Bezirksvorsteher Stadtbezirk Mülheim), Walter Reinarz (Aufsichtsratsmitglied RVK), Berthold Schmitt (Geschäftsführer KölnBäder GmbH - Initiator)
Die Aufkleber-Aktion soll die Initialzündung sein, um ein neues „Qualitätssiegel“ zu etablieren. Ziel ist es, eine „Dachmarke“ zu schaffen, unter der sich zahlreiche Aktivitäten aus der Schäl Sick, z. B. Aktionen des Einzelhandels, Malwettbewerbe von Schulen, Vereins- oder Bürgerinitiativen zusammenfinden können.
Beweggründe für die Imagekampagne „Schäl Sick ist schick!“
Regionalverkehr Köln GmbH (RVK)
Seit 30 Jahren verbindet die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) mit ihrem Nahverkehrsangebot die rechtsrheinischen Stadtteile Mülheim und Kalk mit den Umlandgemeinden und dem Kölner Hauptbahnhof.
Erst vor wenigen Monaten wurde zwischen der Stadt Köln, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, dem Oberbergischen Kreis und der Stadt Leverkusen eine Übereinkunft erzielt, dass die RVK in enger Abstimmung mit der KVB die bisherigen Verbindungen im Rechtsrheinischen aufrechterhalten und weiter ausbauen wird.
Die Linien SB 40 (Bergisch Gladbach-Bensberg – Köln Hbf, Breslauer Platz) und 260 (Remscheid – Köln Hbf, Breslauer Platz) verbinden täglich Teile der beiden Stadtteile Mülheim und Kalk direkt mit dem Kölner Hauptbahnhof. Somit verfügt die RVK über insgesamt 12 Haltepunkte auf der Schäl Sick.
(Foto 3)
KölnBäder GmbH Die KölnBäder GmbH betreibt im gesamten Stadtgebiet 15 Bäder, die sie 1998 von der Stadt Köln übernommen hat. Zahlreiche Attraktivierungs- und Sanierungsarbeiten konnten seit Gründung der KölnBäder GmbH abgeschlossen werden, so dass die KölnBäder heute ein vielfältiges, modernes Fitness- und Erholungsprogramm bieten – ein Angebot, das bundesweit seinesgleichen sucht.
(Foto 4) Auf der Schäl Sick kann der Gast zwischen drei verschiedenen Schwimmbädern wählen. So lädt in den Sommermonaten das idyllisch gelegene Naturfreibad Vingst mit seinem alten Baumbestand zum entspannten Baden ein.
(Foto 5) Das zum „Teilgruppenbad“ umgewandelte Mülheimer Genovevabad (Bergisch Gladbacher Str. 67) steht der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten in der Woche zur Verfügung und wird ansonsten von Schulen und Vereinen genutzt.
(Foto 6) In einer umfassenden Generalmodernisierung wird bis zum Sommer 2006 das Höhenbergbad (Schwarzburger Str. 4) zu einem Kombibad mit Dünenlandschaft und ausgedehnter Saunalandschaft mit original türkischem „Hamam-Bad“ umgebaut.
„Schäl Sick“ und ihre historische Bedeutung
Der Ausdruck „Schäl Sick“ kommt vom kölschen Wort für blinzeln („schäle“, verwandt mit „schielen“ oder „scheel anblicken“). Die Anwendung auf das jeweils gegenüberliegende Flussufer stammt aus der Zeit vor der Dampfschifffahrt. Damals wurden die Kähne flussaufwärts getreidelt, d. h. von Pferden gezogen. Bei Sonnenaufgang oder niedrigem Sonnenstand im Winter mussten die Pferde auf der dem Rhein zugewandten Seite ins reflektierende Sonnenlicht blinzeln. Sie sahen also im Morgenlicht die rechtsrheinischen Stadtteile „scheel“ an.
(Foto 7)
Bild: 1840 - Pferde treideln ein Schiff stromaufwärts nach Köln.
Künstler: Philipp Herrlich, Johann Jakob Siegmund
Quelle: Die illustrierten Rhein-Beschreibungen von Michael Schmitt, 1996
Bis heute hat für zahlreiche Kölner der Begriff „Schäl Sick“ aber auch einen negativen Beigeschmack, dessen Wurzeln sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen lassen. Denn die römische Gründung „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ befand sich an einem wichtigen Platz am äußersten Ende des Imperium Romanum genau an der Grenze zum so genannten Barbarenland. So verweist auch heute noch der Kabarettist Jürgen Becker darauf, dass rechts der Rheinbrücken „Barbarenland“ beginne.
Aus Sicht der früheren ständisch geprägten Gesellschaft von Köln ergab sich ein soziales Gefälle von der Stadt der hohen Stände mit Bürgern und Adeligen hin zu den niederen Ständen der Bauern und Leibeigenen auf dem Land. Die außerhalb der Städte verbreiteten Sicherheitsprobleme durch dünne Besiedlung und meist fehlende Stadtmauern, bestärkten die Städter in dem Glauben, auf der „guten“ und „richtigen Seite“ zu leben.
(Foto 8)
Bild: 1674 – Fliegende Brücke zum Deutzer Ufer
An Seilen, die in der Flußmitte befestigt sind, pendelt das Fährschiff zwischen Köln und Deutz.
Darüber hinaus waren die Menschen, die auf der Schäl Sick lebten bis zum massiv einsetzenden Brückenbau über den Rhein im 19. und 20. Jahrhundert vom regen städtischen Leben abgeschnitten.
(Foto 9)
Bild: 1859 - Die “Dombrücke“
Kölns erste feste Brücke zum anderen Rheinufer seit den Zeiten Konstantins des Großen: Im Volksmund heißt die Brücke wegen ihrer Eisengitterkonstruktion bald “Muusfall“ – Mausefalle.
|